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Metalltarifabschluss 2008

verfasst von Wal Buchenberg(R), 12.11.2008, 19:38

Ein neuer Lohntarifabschluss für rund 3,6 Millionen Lohnarbeiter der Metall- und Elektroindustrie wurde in Baden-Württemberg vereinbart. Er muss noch von den Tarifkommissionen der IGM abgesegnet und von anderen Tarifgebieten übernommen werden. Dass der Abschluss so kompliziert ist, darf als (böse) Absicht unterstellt werden: So kann er nach jeder Seite hin gleichermaßen als Erfolg "verkauft" werden.

Die Lohnarbeiter der Metall- und Elektroindustrie Baden-Württembergs bekommen demnach vom 1. Februar 2009 an 2,1 Prozent mehr Geld, erst zwei Monate später erfolgt eine weitere Erhöhung um erneut 2,1 Prozent. (Diese zweite Erhöhung kann betriebsintern bis zu sieben Monate verschoben werden!). Außerdem soll es für die Monate November 2008 bis Januar 2009 eine Einmalzahlung von 510 Euro geben. Weitere Einmalzahlungen wurden für die Monate Mai bis Dezember 2009 vereinbart. Sie betragen jeweils 0,4 Prozent eines Monatsentgeltes. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrages beträgt 18 Monate bis zum April 2010.

In der folgenden Grafik habe ich versucht, die Wirkung des neuen Tarifvertrages anhand der niedrigsten Entgeltgruppe 1 (1768 Euro/Monat) aufzuzeigen. Diese Entgeltgruppe bekommt 74 Prozent der Entgeltgruppe 7, die häufig als Ecklohngruppe gilt. Wer meine Zahlen mit 1,351 multipliziert erhält die entsprechenden Daten für Entgeltgruppe 7.

[image]


Für die ersten drei Monate des neuen Tarifvertrages erhalten alle eine Einmalzahlung von 510 Euro. Ich habe sie hier als Durchschnittserhöhung von je 170 Euro gerechnet, so dass der Lohn in dieser Zeit auf 1938 Euro steigt. Diese Erhöhung geht nicht in die Entgelttarife ein.
Ab Februar 2009 kommt eine Erhöhung von 2,1 Prozent, macht ein Monatsentgelt von 1805 Euro. Im April kommen weiter 2,1 Prozent, macht ein Monatsentgelt von 1843 Euro. Dazu kommen noch Einmalzahlungen von 7 Euro (0,04 Prozent des jeweiligen Entgeltes). Auch diese Einmalzahlungen gehen nicht in den Entgelttarif ein. Soweit das komplizierte Zahlenwerk.

Höchst seltsam ist, dass in diesen Tarifabschluss erstmalig (?) eine Lohnsenkung eingebaut ist, denn die Einmalzahlungen von 0.04 Prozent werden nicht über die ganze Laufzeit gezahlt. Vier Monate vor Ablauf dieses Tarifes sinkt damit für alle das Monatseinkommen um diese 0,04 Prozent.
Das Jahr 2010 beginnt für die Lohnarbeiter der Entgeltgruppe 1 mit 1843.- Euro.

Wie hoch ist nun diese Lohnerhöhung im Durchschnitt der 18 Monate?
Ich habe den jeweiligen Monatslohn der 18 Monate addiert und diese Summe dann durch 18 geteilt. Damit erhalte ich den monatlichen Entgeltdurchschnitt.
(3 x 1938) + (3 x 1805) + (8 x 1850) + (4 x 1843) = 33.401 : 18 = 1855 Euro im Monatsdurchschnitt. Gegenüber den bisherigen 1768 Euro ist das eine Lohnerhöhung von 4,9 Prozent.
Da kann jede/r selbst beurteilen, ob das reicht.

Noch weitere Haken hat dieser Abschluss:
Fast zwei Prozent dieser Lohnerhöhung wird nicht tarifwirksam. Die tariflich wirksame Erhöhung im Monatsdurchschnitt errechnet sich so:
(3 x 1768) + (2 x 1805) + (13 x 1843) = 32873 : 18 = 1826. Die tariflich wirksame Erhöhung beträgt also nur durchschnittlich 3,2 Prozent.
Üblicherweise werden Tarifverträge für ein Jahr abgeschlossen. Ein 18-monatiger Tarifvertrag ist für die Lohnarbeiter ein sechsmonatiger Lohnstopp und für die Kapitalseite eine sechsmonatige Versicherung gegen die folgende Lohnerhöhung.
Zum Schluss frage ich mich: Warum stellt die IGM in solch schwierigen Zeiten keine Festgeldforderung auf? Die jetzige Erhöhung von 4,2 Prozent bringt den Kollegen in EG 1 nur 74 Euro mehr im Monat. Aber die Leute in Entgeltgruppe 17 kriegen durch den selben Abschluss von 4,2 Prozent stolze 187 Euro mehr im Monat. Ist die IGM in erster Linie Interessenvertreter der bestbezahlten Lohnarbeiter? Warum wird eine Lohnerhöhung nicht an alle gleich ausgeschüttet, so dass zum Beispiel alle 120 Euro mehr bekämen? Dann würde prozentual mehr Geld in die unteren Entgeltgruppen fließen, wo das Geld am bittersten nötig ist.

Wal Buchenberg für Indymedia, 12.11.2008

 

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