Karl-Marx-Diskussionsforum (Archiv 2007-2012)


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  Mix-Ansicht

verfasst von robert schlosser E-Mail, bochum, 06.07.2011, 20:42

» » Hallo Wal.
» »
» » Wenn du die drei Punkte meinst, die du als reine gewerkschaftliche
» » Programme abstempelst, dann sind dies nicht die letzten drei Punkte,
» » sondern die erstem drei Punkte.
» »
» » 1.)Für die Rente ab 60.
» » 2.)Die Begrenzung der Arbeitszeit auf 30 Stunden die Woche bei vollem
» » Lohnausgleich.
» » 3.)Die Begrenzung von Nacht- und Schichtarbeit auf „unökonomisch“
» » sinnvolle und notwendige Bereiche.
» »
» » Wobei der Nachsatz bei Nacht- und Schichtarbeit nicht verständlich
» » formuliert ist.
» »
» » Ich würde mich freuen, zu erfahren, warum du nicht die Punkte
» unterstützen
» » kannst, die das direkte Arbeitsleben betreffen.
»
» Hallo Gilbert,
» da hast du etwas falsch verstanden oder flüchtig gelesen. Die Punkte von
» Robert Schlosser, die das Arbeitsleben betreffen, kann ich voll
» unterstützen.
» Wo ich etwas Bedenken habe, sind die letzten drei Punkte in
» Schlossers Minimalprogramm:
»
» · für unendgeldlichen öffentlichen Nahverkehr,
» · für gebührenfreies Studium,
» · für eine einheitliche Ganztagsschule bis zum 10. Schuljahr

»
» So hatte ich das in meinem Text auch geschrieben: "Bis auf die letzten
» drei Punkte kann und will ich diese Forderungen voll unterstützen."
»
» Indem ich die Kommunalisierung und Demokratiserung des Transportwesens
» befürworte, bin ich dafür, dass die Gemeindemitglieder auch über
» Taktzeiten, Fahrpläne und Gebühren im Nahverkehr entscheiden. Wenn sie es
» für richtig halten, können sie auch beschließen, dass der Nahverkehr
» kostenlos ist. So eine Entscheidung muss aber abgewogen werden mit den
» sonstigen Lebenshaltungskosten usw.
» Entsprechendes gilt auch für Studiengebühren.*
»
» Letztlich ist die Frage der "Bezahlung" für Dienstleistungen eine Frage
» der Organisation des Lebensnotwendigen. Im Kommunismus ist alles
» unentgeldlich. Wie die Verteilung mit lebenswichtigen Gütern bis dahin
» organisiert wird, muss jeweils neu entschieden werden. Aber entscheiden
» müssen das die Gesellschaftsmitglieder (Gemeindemitglieder) selbst, und
» nicht irgendwelche "Fachleute", Politiker oder Privateigentümer.
» Robert Schlossers Forderung nach unentgeltlichen Dienstleistungen ist
» daher in meiner Forderung nach Kommunalisierung und Demokratisierung (gut)
» aufgehoben.
»
» Die Forderung nach einer einheitlichen Ganztagsschule bis zum 10.
» Schuljahr halte ich für viel zu kurz gegriffen. Das würde bedeuten, dass
» es weiter das Gymnasium (als Oberstufe) und die Berufsschulen für normal-
» und minderqualifizierte Lohnarbeit gibt.
»
» Die Auslese, die das kapitalistische Bildungswesen betreibt, würde vom 11.
» Lebensjahr auf das 16. Lebensjahr verschoben.
» Emanzipierte Individuen benötigen aber eine (möglichst) umfassende
» Ausbildung, die sowohl Theorie (Wissenschaft) als auch Praxis
» (Berufsausbildung, Handarbeit) umfasst. Deshalb bin ich für eine
» einheitliche Ausbildung für alle, die für alle auch eine berufspraktische
» (handwerkliche) Ausbildung enthält.
» Wir sollten den Kapitalisten nicht die Lehrlingsausbildung überlassen.
»
» Meine Werkzeugmacherlehre hatte ich in der Lehrwerkstatt von Ford Köln
» gemacht, die von der Produktion ganz getrennt ist. Das war ein ziemlich
» gute Ausbildung. So eine Lehrwerkstatt kann man an jede Schule
» anschließen. Das wichtigste sind dabei Ausbilder mit Berufserfahrung.
»
» Dass ich sowohl eine abgeschlossene Hochschulausbildung (Geschichte und
» Germanistik) wie auch eine Facharbeiterlehre (Werkzeugmacher) habe, ist
» ein Privileg und Glück, das ich meiner Entlassung aus dem Schuldienst
» (Berufsverbot) zu verdanken habe. ;-)
»
» Gruß Wal
»
» * Anmerkung: In einer Zeit, in der das allgemeine Lohnniveau über Jahre
» hinweg stagniert, macht es durchaus Sinn, für kostenlose Dienstleistungen
» zu kämpfen. Das haben die Studenten in den letzten drei Jahren mit ihrem
» (fast) erfolgreichen Kampf gegen Studiengebühren bewiesen.
» Auch für kostenlosen Nahverkehr lohnt es sich zu kämpfen (mindestens für
» Arbeitslose, Rentner und Schüler). Aber dieser Kampf sollte gleichzeitig
» als antistaatlicher Kampf geführt werden - zum Beispiel über die
» Einleitung eines Volksbegehrens mit dieser Forderung.
»
» Für ein revolutionäres Minimalprogramm sind Forderungen nach kostenloser
» Dienstleistung meiner Meinung nach jedoch zu wenig und zu bescheiden.

Hallo zusammen,
ich würde gern noch einmal klarstellen, dass ich mit dem Schluss meines Diskussionbeitrages kein Minimalprogramm vorschlagen wollte! Mir ging es darum, einige zentrale Punkte anzusprechen, die in ein solches Minimalprogramm gehören; damit klar wird in welche Richtungs sich eine programmatische Diskussion entwickeln muss. Zu jedem einzelnen Punkt wäre Untersuchungsarbeit zu leisten und eine angemessene Argumentation zu entwickeln, damit eine Grundlage für Agitation entsteht.
Exemplarisch könnte ich hier darauf verweisen, wie wir uns bei "Klartext" eine Position zur Länge der Lebensarbeitszeit erarbeitet haben. Ausgearbeitet hat das dann Rainer Roth in seiner Broschüre "Rente mit 60". Fände in einer breiteren Diskussion eine andere konkrete Forderung Unterstützung, dann wäre das für mich kein Problem.
Ich verfüge bis jetzt über keine ausgearbeitete, nachvollziehbare Position zur Einheitsschule bis zum 10. Schuljahr und kann die großen Fragezeichen von Wal gut nachvollziehen. Das ist ein Punkt, zu dem man theoretisch arbeiten muss. usw. Für mich sind alle Einwände, die Wal gemacht hat, hilfreich.
Eines unserer großen Probleme hierzulande - und nicht nur hier - sehe ich darin, dass es kaum radikale Kräfte gibt, die Willens und in der Lage sind die für eine praktische Vereinheitlichung und Perspektive nötige programmatische Klärung anzugehen.

Viele Grüße
Klaus-Robert

 

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