Klassenzugehörigkeit der Immigranten und deutscher Rassismus
Es gab mal (auch bei mir) das Vorurteil, Immigranten („Gastarbeiter“) gehörten ausnahmslos zur Arbeiterklasse.
Wie folgende Übersicht zeigt, ist diese Meinung falsch.
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Der oberste Balken zeigt die Klassenverteilung der in Deutschland „Alteingesessenen“:
Gut 80 Prozent sind Lohnarbeiter.
Rund 12 Prozent sind Kleinbürger und Kapitalisten („Selbständige“) mit den mithelfenden Familienangehörigen.
Zwischen beiden Klassen liegen die Beamten mit rund 5 Prozent.
Der zweite Balken von oben zeigt die Klassenverteilung der Immigranten ohne deutschen Pass („Ausländer“):
Die Zahl der „Selbständigen“ plus mithelfenden Familienangehörigen ist hier deutlich größer als bei den „Alteingesessenen“. Diese relativ große Zahl der kleinen Gewerbetreibenden mit Migrationshintergrund, die Kiosk- und Budenbetreiber, Bäcker, Dönerbetriebe und kleine Einzelhändler usw., sind es, die bei traditionellen Kleinbürgern Konkurrenzängste wecken. Diese „natürliche“ Konkurrenz unter kleinen Warenproduzenten und Warenverkäufern, die für viele mit Bankrott endet, wird oft rassistisch mit Ausländerhass belegt. Den „bösen Konkurrenten“ wird die Schuld gegeben, nicht der stinknormalen Konkurrenz, die am Markt überflüssige Existenzen vernichtet.
Ein zweite Gruppe bei denen sich häufiger rassistischen Vorstellungen finden, sind die (männlichen) Lohnarbeiter ohne Qualifikation, deren Arbeitsplätze in den letzten 20 Jahren verstärkt wegrationalisiert wurden. Diese Lohnarbeiter konkurrieren mit Immigranten um knapper werdende einfache Arbeitsplätze wie um knapper werdenden billigen Wohnraum. Auch für solche „Verlierer“ der deutschen Export AG bieten sich die Immigranten als „Sündenböcke“ an.
Die dritte Gruppe, die scheinbar existenzielle Gründe für Ausländerfeindlichkeit findet, sind die deutschen Staatsdiener („Beamte“).
Wegen dem Dickicht der deutschen Ausländergesetzgebung fällt für Staatsdiener zeitaufwändige Mühe an, die durch mangelnde Deutschkenntnisse und naives Erstaunen über deutsches Regelwerk auf Seiten der „nichtdeutschen Untertanen“ für die Beamten noch nervenaufreibender wird. Herrschaftsausübung würde ihnen so viel mehr Spaß machen, wenn die tölpelhaften Untertanen wenigstens die Landessprache beherrschten und von klein auf mit protestantischem Gehorsam aufgewachsen wären. Migranten zu beherrschen, kostet mehr Mühe, als Deutsche zu beherrschen. Das ist ganz unabhängig von individuellen Einstellungen.
Rassistische Staatsdiener sehen nicht in den selbst geschaffenen Systemzwängen die Gründe für ihre mühevollere Unterdrückungsarbeit, sondern in der Personengruppe der Migranten.
Ein anderes strukturelles Problem, dass gerne den Immigranten in die Schuhe geschoben wird, sind die knappen Staatskassen. Ich weiß jetzt nicht, ob alle Ausländer/Immigranten mehr/häufiger Sozialleistungen beziehen als alle "Alteingesessenen" - ich vermute mal eher nicht.
Die Höhe der ausgezahlten Sozialleistungen ist aber eine eminent wichtige Frage für die Kommunen und die Kommunalpolitiker. Deren finanzieller Spielraum wird durch vermehrte Sozialleistungsempfänger eingeschränkt. Das ärgert sie, dann können sie ihre eigene politische Klientel (und sich!) weniger bedienen.
Ich denke, das ist auch der Grund, warum alle Neu-Immigranten von Staats wegen breitflächig in der Bundesrepublik verteilt werden, und sich niemand die Stadt in Deutschland aussuchen kann, in der er leben will. Kurz: Sozialleistungsempfänger dienen vor allem als Vorwand für Rassismus bei den (kommunalen) Staatsdienern.
Ich sehe bei den Staatsdienern den harten Kern des Rassismus - mehr noch als bei den traditionellen Kleinbürgern.
Das äußert sich weniger in rassistischen Bemerkungen (außer bei Herrn Sarrazin), sondern in der rassistischen Gesetzesgrundlage, dass "Deutschtum" eine Sache des Blutes und der Vererbung ist. Daraus folgt dann ein Gestrüpp von diskriminierenden Verordnungen und Gesetzen, die die besondere Gruppe der "Ausländer" erst schaffen und für soziales Mobbing bloßstellen.
Siehe dazu: Politische Ökonomie der Ausländerfeindlichkeit
(Die anderen Balken der Grafik sind weniger interessant und zeigen, dass ein deutscher Pass für Lohnarbeitsverhältnisse offenbar nötiger ist als für die Selbständigkeit. Für Beamte ist ein deutscher Pass Grundbedingung.)
Wal Buchenberg, 26.01.2010
