Produktive und unproduktive Arbeit

1. Produktive Arbeit im Allgemeinen

„Der Arbeitsprozess ist ... zunächst unabhängig von jeder bestimmten gesellschaftlichen Form zu betrachten. Die Arbeit ist zunächst ein Prozess zwischen Mensch und Natur, ein Prozess, worin der Mensch seinen Stoffwechsel mit der Natur durch seine eigene Tat vermittelt, regelt und kontrolliert. Er tritt dem Naturstoff selbst als eine Naturmacht gegenüber. Die seiner Leiblichkeit angehörigen Naturkräfte, Arme und Beine, Kopf und Hand, setzt er in Bewegung, um sich den Naturstoff in einer für sein eigenes Leben brauchbaren Form anzueignen. Indem er durch diese Bewegung auf die Natur außer ihm wirkt und sie verändert, verändert er zugleich seine eigene Natur.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 192.

„Wir unterstellen die Arbeit in einer Form, worin sie dem Menschen ausschließlich angehört. Eine Spinne verrichtet Operationen, die denen des Webers ähneln, und eine Biene beschämt durch den Bau ihrer Wachszellen manchen menschlichen Baumeister. Was aber von vornherein den schlechtesten Baumeister vor der besten Biene auszeichnet, ist, dass er die Zelle in seinem Kopf gebaut hat, bevor er sie in Wachs baut. Am Ende des Arbeitsprozesses kommt ein Resultat heraus, das beim Beginn desselben schon in der Vorstellung des Arbeiters, also schon ideell vorhanden war. Nicht dass er nur eine Formveränderung des Natürlichen bewirkt; er verwirklicht im Natürlichen zugleich seinen Zweck, den er weiß, der die Art und Weise seines Tuns als Gesetz bestimmt und dem er seinen Willen unterordnen muss.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 193.

„Die einfachen Elemente des Arbeitsprozesses sind die zweckmäßige Tätigkeit oder die Arbeit selbst, ihr Gegenstand und ihr Mittel.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 193.

„Betrachtet man den ganzen Prozess vom Standpunkt seines Resultats, des Produkts, so erscheinen beide, Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand, als Produktionsmittel und die Arbeit selbst als produktive Arbeit.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 196.

„Diese Bestimmung produktiver Arbeit, wie sie sich vom Standpunkt des einfachen Arbeitsprozesses ergibt, reicht keineswegs hin für den kapitalistischen Produktionsprozess.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 196, Anm. 7.

 

Â&xnbsp;2. Produktive Arbeit im Kapitalismus

„Der Arbeitsprozess wurde zunächst abstrakt betrachtet, unabhängig von seinen geschichtlichen Formen, als Prozess zwischen Mensch und Natur. Es hieß dort: ‚Betrachtet man den ganzen Arbeitsprozess vom Standpunkt seines Resultats, so erscheinen beide, Arbeitsmittel und Arbeitsgegenstand, als Produktionsmittel und die Arbeit selbst als produktive Arbeit.‘ Und in Note 7 wurde ergänzt: ‚Diese Bestimmung produktiver Arbeit, wie sie sich vom Standpunkt des einfachen Arbeitsprozesses ergibt, reicht keineswegs hin für den kapitalistischen Produktionsprozess.‘ Dies ist hier weiter zu entwickeln.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 531.

„Soweit der Arbeitsprozess ein rein individueller, vereinigt derselbe Arbeiter alle Funktionen, die sich später trennen. In der individuellen Aneignung von Naturgegenständen zu seinen Lebenszwecken kontrolliert er sich selbst. Später wird er kontrolliert. Der einzelne Mensch kann nicht auf die Natur wirken ohne Betätigung seiner eigenen Muskeln unter Kontrolle seines eigenen Hirns. Wie im Natursystem Kopf und Hand zusammengehören, vereint der Arbeitsprozess Kopfarbeit und Handarbeit. Später scheiden sie sich bis zum feindlichen Gegensatz. Das Produkt verwandelt sich überhaupt aus dem unmittelbaren Produkt des individuellen Produzenten in ein gesellschaftliches, in das gemeinsame Produkt eines Gesamtarbeiters, d. h. eines kombinierten Arbeitspersonals, dessen Glieder der Handhabung des Arbeitsgegenstandes näher oder ferner stehen. Mit dem kooperativen Charakter des Arbeitsprozesses selbst erweitert sich daher notwendig der Begriff der produktiven Arbeit und ihres Trägers, des produktiven Arbeiters. Um produktiv zu arbeiten, ist es nun nicht mehr nötig, selbst Hand anzulegen; es genügt Organ des Gesamtarbeiters zu sein, irgendeine seiner Unterfunktionen zu vollziehen. Die obige ursprüngliche Bestimmung der produktiven Arbeit ... bleibt immer wahr für den Gesamtarbeiter, als Gesamtheit betrachtet. Aber sie gilt nicht mehr für jedes seiner Glieder, einzeln genommen.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 531f.

„Andererseits aber verengt sich der Begriff der produktiven Arbeit. Die kapitalistische Produktion ist nicht nur Produktion von Ware, sie ist wesentlich Produktion von Mehrwert. Der Arbeiter produziert nicht für sich, sondern für das Kapital. Es genügt daher nicht länger, dass er überhaupt produziert. Er muss Mehrwert produzieren. Nur der Arbeiter ist produktiv, der Mehrwert für den Kapitalisten produziert oder zur Selbstverwertung des Kapitals dient.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 532.

Zu oft haben Marxisten nur den ersten Teil dieser Bestimmung produktiver Arbeiter zitiert, dass sie „Mehrwert produzieren“. Dass produktive Arbeit außerdem zur „Selbstverwertung (Vermehrung) des Kapitals dient“, wird oft übersehen. In diese Kategorie fallen die so genannten Zirkulationsarbeiter im Handel, bei Banken und Versicherungen, obwohl sie nicht Mehrwert produzieren.

Siehe den Artikel: Zirkulationsarbeit

 

„Steht es frei, ein Beispiel außerhalb der Sphäre der materiellen Produktion zu wählen, so ist ein Schullehrer produktiver Arbeiter, wenn er nicht nur Kinderköpfe bearbeitet, sondern sich selbst abarbeitet zur Bereicherung des Unternehmers. Dass letzterer sein Kapital in einer Lehrfabrik angelegt hat, statt in einer Wurstfabrik, ändert nichts an dem Verhältnis. Der Begriff des produktiven Arbeiters schließt daher keineswegs bloß ein Verhältnis zwischen Tätigkeit und Nutzeffekt, zwischen Arbeiter und Arbeitsprodukt ein, sondern auch ein spezifisch gesellschaftliches, geschichtlich entstandenes Produktionsverhältnis, welches den Arbeiter zum unmittelbaren Verwertungsmittel des Kapitals stempelt. Produktiver Arbeiter zu sein ist daher kein Glück, sondern ein Pech.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 532.

„Bloß die bürgerliche Borniertheit, die die kapitalistische Formen der Produktion für die absoluten Formen derselben hält – daher für ewige Naturformen der Produktion – kann die Frage, was produktive Arbeit vom Standpunkt des Kapitals aus ist, mit der Frage, welche Arbeit überhaupt produktiv ist oder was produktive Arbeit überhaupt ist, verwechseln und daher sich sehr weise dünken in der Antwort, dass jede Arbeit, die überhaupt etwas produziert, in irgendetwas resultiert, von sich aus produktive Arbeit ist. ... Nur die Arbeit, die sich direkt in Kapital verwandelt, ist produktiv ... Arbeit, die Mehrwert setzt oder dem Kapital als Hebel dient, Mehrwert zu setzen und daher sich als Kapital, als sich verwertenden Wert zu setzen.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 369. Man beachte die Unterscheidung: produktive Arbeit, „die (direkt) Mehrwert setzt“ und produktive Arbeit, die „dem Kapital (indirekt) als Hebel dient, Mehrwert zu setzen“. Letzteres ist Zirkulationsarbeit.

 

„Der direkte Zweck der kapitalistischen Produktion ist nicht die Produktion der Ware, sondern des Mehrwerts oder des Profits (in seiner entwickelten Form), nicht das Produkt, sondern das Mehrprodukt. Die Arbeit selbst ist von diesem Standpunkt aus nur produktiv, soweit sie Profit oder Mehrprodukt für das Kapital schafft. Soweit der Arbeiter das nicht schafft, ist seine Arbeit unproduktiv.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert II, MEW 26.2, 548.

„Produktive Arbeit ist nur ein abkürzender Ausdruck für das ganze Verhältnis und Art und Weise, worin das Arbeitsvermögen im kapitalistischen Produktions-prozess figuriert. Die Unterscheidung von anderen Arten der Arbeit ist aber von der höchsten Wichtigkeit, da sie gerade die Formbestimmtheit der Arbeit ausdrückt, worauf die gesamte kapitalistische Produktionsweise und das Kapital selbst beruht. Produktive Arbeit ist also solche – im System der kapitalistischen Produktion –, die Mehrwert für ihren Unternehmer produziert oder die die objektiven Arbeitsbedingungen in Kapital und ihren Besitzer in Kapitalisten verwandelt, also Arbeit, die ihr eigenes Produkt als Kapital produziert. ... Produktive Arbeit kann daher als solche bezeichnet werden, die sich direkt mit dem Geld als Kapital austauscht oder, was nur ein verkürzter Ausdruck dafür ist, die sich unmittelbar mit Kapital austauscht, d. h. mit Geld, das an sich Kapital ist, die Bestimmung hat, als Kapital zu funktionieren, oder dem Arbeitsvermögen als Kapital gegenübertritt. In dem Ausdruck Arbeit, die sich unmittelbar mit Kapital austauscht, liegt eingeschlossen, dass die Arbeit sich mit dem Geld als Kapital austauscht, und es wirklich in Kapital verwandelt. Was die Bestimmung der Unmittelbarkeit angeht, so wird sich das gleich näher ergeben. Produktive Arbeit ist also solche, die für den Arbeiter nur den vorher bestimmten Wert seines Arbeitsvermögens reproduziert, dagegen als wertschaffende Tätigkeit das Kapital verwertet (vermehrt) oder die von ihr geschaffenen Werte dem Arbeiter selbst als Kapital gegenübersetzt.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 371f.

„Ricardo teilt ganz A. Smiths Unterscheidung von produktiver und unproduktiver Arbeit, soweit erstere mit Kapital, letztere direkt mit Revenue (= Mittel zum Lebensunterhalt/Privatkonsum) ihre Arbeit austauscht. Aber er teilt nicht mehr Smiths Zärtlichkeit für und Illusion über die produktiven Arbeiter. Es ist ein Pech, ein produktiver Arbeiter zu sein. Ein produktiver Arbeiter ist ein Arbeiter, der fremden Reichtum produziert. Nur als solches Produktionsinstrument für fremden Reichtum hat seine Existenz einen Sinn.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 196.

 

„Der Ausdruck, dass produktive Arbeit solche Arbeit ist, die sich unmittelbar mit Kapital austauscht, ... schließt dies ein:

1. das Verhältnis von Geld und Arbeitsvermögen als Waren gegeneinander, Kauf und Verkauf zwischen dem Geldbesitzer und dem Besitzer des Arbeitsvermögens;

2. die direkte Unterwerfung der Arbeit unter das Kapital;

3. die reelle Verwandlung der Arbeit in Kapital im Produktionsprozess oder, was dasselbe ist, die Schöpfung des Mehrwerts für das Kapital. Es findet zweierlei Austausch von Arbeit und Kapital statt. Der erste drückt bloß den Kauf des Arbeitsvermögens und daher in Wirklichkeit der Arbeit und daher ihres Produkts aus. Der zweite die direkte Verwandlung lebendiger Arbeit in Kapital oder ihre Vergegenständlichung als Verwirklichung des Kapitals.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 375.

 

„Aus dem Bisherigen geht hervor, dass produktive Arbeit zu sein ein Bestimmung der Arbeit ist, die zunächst absolut nichts zu tun hat mit dem bestimmten Inhalt der Arbeit, ihrer besonderen Nützlichkeit oder dem eigentümlichen Gebrauchswert, worin sie sich darstellt. Dieselbe Sorte Arbeit kann produktiv oder unproduktiv sein. Z.Â&xnbsp;B. Milton, der das ‚Paradise Lost‘ für 5 Pfund schrieb, war ein unproduktiver Arbeiter. Der Schriftsteller dagegen, der Fabrikarbeit für seinen Buchhändler liefert, ist ein produktiver Arbeiter. ... Eine Sängerin, die auf ihre eigene Faust ihren Gesang verkauft, ist ein unproduktiver Arbeiter. Aber dieselbe Sängerin, von einem Unternehmer engagiert, der sie singen lässt, um Geld zu machen, ist ein produktiver Arbeiter; denn sie produziert Kapital.“ K. Marx, Theorien über produktive und unproduktive Arbeit, MEW 26.1, 376f.

Siehe den Artikel: Immaterielle Produktion

 

Produktive Arbeit ist bloß die, die Kapital produziert. Ist es nicht verrückt, fragt z.Â&xnbsp;B. ... Herr Senior (engl. Ökonom, 19. Jh.), dass der Klaviermacher ein produktiver Arbeiter sein soll, aber der Klavierspieler nicht, obgleich doch ohne den Klavierspieler das Klavier ein Unding wäre? Aber so ist es exakt. Der Klaviermacher reproduziert Kapital; der Klavierspieler tauscht seine Arbeit nur gegen Revenue (= Mittel zum Lebensunterhalt/Privatkonsum) aus. Aber der Klavierspieler produziert Musik und befriedigt unseren Tonsinn, produziert ihn auch gewissermaßen? In der Tat so tut er: seine Arbeit produziert etwas; darum ist sie nicht produktive Arbeit im ökonomischen Sinne; so wenig als die Arbeit des Narren produktiv ist, der Hirngespinste produziert. Produktiv ist die Arbeit nur, indem sie ihr eigenes Gegenteil produziert.“ K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie,Â&xnbsp;212.

„Dieselbe Arbeit kann produktiv sein, wenn ich sie als Kapitalist, als Produzent kaufe, um sie zu verwerten (d.Â&xnbsp;h. um Profit daraus zu schlagen), und unproduktiv, wenn ich sie als Konsument ... kaufe, um ihren Gebrauchswert zu verzehren, sei es, dass dieser Gebrauchswert mit der Tätigkeit des Arbeitsvermögens selbst verschwindet oder sich in einem Ding materialisiert ...“ K. Marx, Theorien über produktive und unproduktive Arbeit, MEW 26.1, 135.

 

2.1. Sonderfälle der produktiven Arbeit im Kapitalismus

2.1.1. Zirkulationsarbeiter als indirekt produktive Arbeiter

Ich beschränke mich im Folgenden auf das Kaufmannskapital. Für das Bank- und Versicherungskapital gilt Entsprechendes.

„Wieweit das Kaufmannskapital indirekt produktiv sein kann, ist bereits angedeutet und wird später noch weiter erörtert werden.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 293.

„Die Verwandlung von Ware (Produkt) in Geld und von Geld in Ware (Produktionsmittel) ist eine notwendige Funktion des industriellen Kapitals und daher notwendige Operation des Kapitalisten, ... Der Kaufmann, indem er diese Operationen vollzieht ..., tritt bloß an die Stelle des industriellen Kapitalisten.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 300f.

„Im Ãśbrigen muss angenommen werden, dass mit der Teilung zwischen kaufmännischem und industriellem Kapital Zentralisation der Handelskosten und daher Verringerung derselben verbunden ist.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 303.

 

„Falls das Kaufmannskapital nicht seine notwendigen Proportionen überschreitet, ist anzunehmen:

1. dass infolge der Teilung der Arbeit das Kapital, das sich ausschließlich mit Kaufen und Verkaufen beschäftigt ..., kleiner ist, als es wäre, wenn der industrielle Kapitalist den ganzen kaufmännischen Teil seines Geschäfts selbst betreiben müsste;

2. dass, weil der Kaufmann ausschließlich mit diesem Geschäft sich befasst, nicht nur für den Produzenten seine Ware früher in Geld verwandelt wird, sondern das Warenkapital selbst rascher seine Verwandlung durchmacht, als es in der Hand des Produzenten tun würde;

3. dass, das gesamte Kaufmannskapital im Verhältnis zum industriellen Kapital betrachtet, ein Umschlag des Kaufmannskapitals nicht nur die Umschläge vieler Kapitale in einer Produktionssphäre, sondern die Umschläge einer Anzahl von Kapitalen in verschiedenen Produktions-sphären vorstellen kann.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 286f.

„Je rascher das Kaufmannskapital umschlägt, umso kleiner, je langsamer es umschlägt, umso größer ist der Teil des gesamten Geldkapitals, das als Kaufmannskapital figuriert.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 288.

„Das Kaufmannskapital ist nichts als innerhalb der Zirkulationssphäre fungierendes Kapital. Der Zirkulationsprozess ist eine Phase des gesamten Reproduktionsprozesses. Aber im Zirkulationsprozess wird kein Wert produziert, also auch kein Mehrwert. Es gehen nur Formveränderungen derselben Wertmasse vor. ... Wird beim Verkauf der produzierten Ware ein Mehrwert realisiert, so, weil dieser bereits in ihr existiert; ... Das Kaufmannskapital schafft daher weder Wert noch Mehrwert, d.Â&xnbsp;h. nicht direkt. Sofern es zur Abkürzung der Zirkulations-zeit beiträgt, kann es indirekt den vom industriellen Kapitalen produzierten Mehrwert vermehren helfen. Soweit es den Markt ausdehnen hilft und die Teilung der Arbeit zwischen den Kapitalisten vermittelt, also das gesellschaftliche Kapital befähigt, auf größerer Stufenleiter zu arbeiten, befördert seine Funktion die Produktivität des industriellen Kapitals und dessen Akkumulation. Soweit es die Umlaufszeit abkürzt, erhöht es das Verhältnis des Mehrwerts zum vorgeschossenen Kapital, also die Profitrate. Soweit es einen geringeren Teil des Kapitals als Geldkapital in die Zirkulationssphäre einbannt, vermehrt es den direkt in der Produktion angewandten Teil des Kapitals.“ K.Â&xnbsp;Marx, Kapital III, MEW 25, 290f.

Die gesellschaftliche Profitmasse wird durch Handel, Banken und Versicherungen vermehrt, indem die Reproduktion des Gesamtkapitals ökonomisiert und beschleunigt wird. Diese Wirkung auf den kapitalistischen Gesamtprofit wird noch gesteigert und vergrößert durch die unbezahlte Mehrarbeit der Zirkulations-arbeiter.

 

„Es fragt sich jetzt: Wie verhält es sich mit den kaufmännischen Lohnarbeitern, die der kaufmännische Kapitalist, hier der Warenhändler, beschäftigt?“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 303f.

„Was Schwierigkeiten macht mit Bezug auf die kaufmännischen Lohnarbeiter, ist keineswegs, zu erklären, wie sie direkt für ihren Beschäftiger Profit produzieren, obgleich sie nicht direkt Mehrwert ... produzieren. Diese Frage ist in der Tat schon gelöst durch die allgemeine Analyse des kaufmännischen Profits.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 304.

„Nach einer Seite hin ist ein solcher kaufmännischer Arbeiter Lohnarbeiter wie ein anderer. Erstens, insofern die Arbeit gekauft wird vom variablen Kapital des Kaufmanns, nicht von dem als Revenue (= Mittel zum Lebensunterhalt/Privatkonsum) verausgabten Geld, und daher auch nur gekauft wird nicht für Privatbedienung, sondern zum Zweck der Selbstverwertung des darin vorgeschossenen Kapitals. Zweitens, sofern der Wert seiner Arbeitskraft und daher sein Arbeitslohn bestimmt ist, wie bei allen anderen Lohnarbeitern, durch die Produktions- und Reproduktionskosten seiner spezifischen Arbeitskraft, nicht durch das Produkt seiner Arbeit.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 303f.

„Wie die unbezahlte Arbeit des Arbeiters dem produktiven Kapital direkt Mehrwert schafft, schafft die unbezahlte Arbeit der kommerziellen Lohnarbeiter dem Handels-kapital einen Anteil an jenem Mehrwert.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 305.

„Der kommerzielle Arbeiter produziert nicht direkt Mehrwert. Aber der Preis seiner Arbeit ist durch den Wert seiner Arbeitskraft, also deren Produktionskosten, bestimmt, während die Ausübung dieser Arbeitskraft, als eine Anspannung, Kraftäußerung und Abnutzung, wie bei jedem anderen Lohnarbeiter, keineswegs durch den Wert seiner Arbeitskraft begrenzt ist. Sein Lohn steht daher in keinem notwendigen Verhältnis zu der Masse des Profits, die er dem Kapitalisten realisieren hilft. Was er dem Kapitalisten kostet, und was er ihm einbringt, sind verschiedene Größen. Er bringt ihm ein, nicht indem er direkt Mehrwert schafft, aber indem er die Kosten der Realisierung des Mehrwerts vermindern hilft, soweit er, zum Teil unbezahlte, Arbeit verrichtet.“ K. Marx, Kapital III, MEW 25, 311.

Die Lohnarbeiter im Handel, bei Banken und in Versicherungen vergrößern durch unbezahlte Arbeit den Profit der Kapitalistenklasse und tragen damit zur Verwertung und Vergrößerung des gesellschaftlichen Kapitals bei. Man kann diese Lohnarbeiter als „indirekt produktiv“ bezeichnen, keinesfalls als „unproduktiv“.

Â&xnbsp;2.1.2. Kopfarbeit als produktive Arbeit

Der produktive Gesamtarbeiter, d.Â&xnbsp;h. die Lohnarbeiterklasse oder das Proletariat, vereint jedoch notwendig Kopf- und Handarbeit.

„Mit der Entwicklung der spezifisch kapitalistischen Produktion wo viele Arbeiter an der Produktion derselben Ware zusammenarbeiten, muss natürlich das Verhältnis, worin ihre Arbeit unmittelbar zum Gegenstand der Produktion steht, sehr verschieden sein. Z.Â&xnbsp;B. die ... Handlanger in einer Fabrik haben nichts direkt mit der Bearbeitung des Rohstoffs zu tun. Die Arbeiter, die die Aufseher der direkt mit dieser Bearbeitung zu tun Habenden bilden, stehen einen Schritt weiter ab; der Ingenieur hat wieder ein anderes Verhältnis und arbeitet hauptsächlich nur mit seinem Kopfe etc. Aber das Ganze dieser Arbeiter, die Arbeitsvermögen von verschiedenem Werte besitzen, ... produzieren das Resultat, das sich ... in Ware oder einem materiellen Produkt aus-spricht; und alle zusammen ... sind die lebendige Produktionsmaschine dieser Produkte, wie sie, den gesamten Produktionsprozess betrachtet, ihre Arbeit gegen Kapital austauschen und das Geld der Kapitalisten als Kapital reproduzieren, d.Â&xnbsp;h. als sich verwertenden Wert, sich vergrößernden Wert. Es ist ja eben das Eigentümliche der kapitalis-tischen Produktionsweise, die verschiedenen Arbeiten, also auch die Kopf- und Handarbeiten – oder die Arbeiten, in denen die eine oder die andere Seite vorwiegt, – zu trennen und an verschiedene Personen zu verteilen, was jedoch nicht hindert, dass das materielle Produkt das gemeinsame Produkt dieser Personen ist oder ihr gemeinsames Produkt in materiellem Reichtum vergegenständlicht; was andererseits ebenso wenig hindert oder gar nichts daran ändert, dass das Verhältnis jeder einzelnen dieser Personen das des Lohnarbeiters zum Kapital und in diesem eminenten Sinn das des produktiven Arbeiters ist. Alle diese Personen sind nicht nur unmittelbar in der Produktion von materiellem Reichtum beschäftigt, sondern sie tauschen ihre Arbeit unmittelbar gegen das Geld als Kapital aus und reproduzieren daher unmittelbar außer ihrem Lohn einen Mehrwert für den Kapitalisten. Ihre Arbeit besteht aus bezahlter Arbeit plus unbezahlter Mehrarbeit.“ K. Marx, Theorien über produktive und unproduktive Arbeit I, MEW 26.1, 386f.

Siehe den Artikel: Hand- und Kopfarbeit

 

2.1.3. Leitungsarbeit ist teilweise produktive Arbeit

Mit einem Teil ihrer Tätigkeit sind kapitalistische Manager produktive Lohnarbeiter, Teil des produktiven Gesamtarbeiters.

„Alle intellektuellen Arbeiten, die direkt in der materiellen Produktion konsumiert werden schließt A. Smith natürlich ein in die Arbeit, die sich fixiert und sich realisiert in einer käuflichen und austauschbaren Ware ... Nicht nur der direkte Handarbeiter
oder Maschinenarbeiter, sondern Aufseher, Ingenieur, Manager, Commis (Geschäftsführer) etc., kurz die Arbeit des ganzen Personals, das in einer bestimmten Sphäre der materiellen Produktion nötig
ist, um eine bestimmte Ware zu produzieren, dessen Zusammenwirken von Arbeiten (Kooperation) notwendig zur Herstellung der Waren ist. In der Tat fügen sie dem konstanten Kapital ihre Gesamtarbeit hinzu und erhöhen den Wert des Produkts um diesen Betrag.“ K. Marx, Theorien über produktive und unproduktive Arbeit, MEW 26.1, 134.

Soweit Manager notwendige Leitungsarbeit verrichten, sind sie produktive Arbeiter, soweit sie Ausbeuterfunktionen verrichten (Einstellungen und Entlassungen, Disziplinierungen, Lohnfest-setzungen, Festlegung der Arbeitsbedingungen usw.) sind sie Instrument des Kapitals.

„Die Arbeit der Oberaufsicht und Leitung entspringt notwendig überall, wo der unmittelbare Produktionsprozess die Gestalt eines gesellschaftlich kombinierten Prozesses hat und nicht als vereinzelte Arbeit der selbständigen Produzenten auftritt. Sie ist aber doppelter Natur. Einerseits in allen Arbeiten, worin viele Individuen kooperieren, stellt sich notwendig der Zusammenhang und die Einheit des Prozesses in einem kommandierenden Willen dar, und in Funktionen, die nicht die Teilarbeiten, sondern die Gesamttätigkeit der Werkstatt betreffen, wie bei dem Dirigenten eines Orchesters. Es ist dies eine produktive Arbeit, die verrichtet werden muss in jeder kombinierten Produktionsweise. Andererseits ... entspringt diese Arbeit der Oberaufsicht notwendig in allen Produktionsweisen, die auf dem Gegensatz zwischen dem Arbeiter als dem unmittelbaren Produzenten und dem Eigentümer der Produktionsmittel beruhen.“ K.Â&xnbsp;Marx, Kapital III, MEW 25, 397.

Siehe den Artikel: Manager

3. Unproduktive Arbeit (Dienerklasse)

„Nur die Arbeit, die Kapital produziert, ist produktive Arbeit. ... Damit ist auch absolut festgesetzt, was unproduktive Arbeit ist. Es ist Arbeit, die sich nicht gegen Kapital, sondern unmittelbar gegen Revenue (= Mittel zum Lebensunterhalt/Privatkonsum) austauscht ...“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 127.

„Produktive Arbeit ist nur die mit Kapital ausgetauschte; die mit Revenue (= Mittel zum Lebensunterhalt/Privatkonsum) als solcher nie.“ K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 228.

„Alle ... unproduktiven Gesellschaftsmitglieder können ihren Anteil am jährlichen Warenprodukt – also ihre Konsumtionsmittel – nur beziehen aus den Händen der Klassen, denen das Produkt in erster Hand zufällt – produktiven Arbeitern, industriellen Kapitalisten und Grundbesitzern. Insofern sind ihre Revenuen (= Mittel zum Lebensunterhalt/ Privatkonsum) in der Tat abgeleitet von Arbeitslohn (der produktiven Arbeiter), Profit und Bodenrente, und erscheinen daher jenen Originalrevenuen gegenüber als abgeleitete.“ K. Marx, Kapital II, MEW 24, 372.

3.1. Lohnabhängige Dienerklasse

Dazu zählt die „Bedientenklasse, die direkten Lohnarbeiter der müßigen Kapitalisten“. K. Marx, Kapital II, MEW 24, 481.

Diese Bediensteten sind der von dem Mehrprodukt lebende „Teil der dienenden Klasse, der nicht von Kapital, sondern von Revenue (=Â&xnbsp;Mittel zum Lebensunterhalt/ Privatkonsum) lebt. Es besteht ein wesentlicher Unterschied zwischen dieser dienenden und der arbeitenden Klasse.“ K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie,Â&xnbsp;305.

„Ein Schauspieler z.Â&xnbsp;B., selbst ein Clown, ist hiernach ein produktiver Arbeiter, wenn er im Dienst eines Kapitalisten arbeitet, dem er mehr Arbeit zurückgibt, als er in der Form des Lohns von ihm erhält, während ein Flickschneider, der zu dem Kapitalisten ins Haus kommt und ihm seine Hosen flickt, ... ein unproduktiver Arbeiter ist. Die Arbeit des ersteren tauscht sich gegen Kapital aus, die des zweiten gegen Revenue (= Mittel zum Lebensunterhalt/Privatkonsum). Die erstere schafft Mehrwert; in der zweiten verzehrt sich eine Revenue (= Mittel zum Lebensunterhalt/Privatkonsum).“ K.Â&xnbsp;Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 127.

Zu dieser unproduktiven Dienstleistungsklasse gehören das gesamte Hauspersonal der Reichen, ihre Geliebten und alle anderen, die aus den Privatschatullen (= Revenue) der Kapitalisten und Grundbesitzer leben und nur dazu da sind, den Reichen das Leben angenehm zu machen.

Gemeinsam mit allen Lohnarbeitern haben diese unproduktiven Dienstleister, dass sie von eigener Arbeit leben müssen. Aber ihren Lohn zahlen die Kapitalisten nicht als Vorschuss aus ihrem Kapital, um von ihnen ein vergrößertes Produkt und daraus ein vermehrtes Kapital zu erhalten. Die Kapitalisten und Grundbesitzer bezahlen diese Dienstleister aus ihrem privaten Konsumtionsfonds für private Bedienung. Daher haben diese Bediensteten gemeinsame Interessen mit ihren Herren: Je reicher ihr Herr, desto mehr fällt auch für die Bedienten ab.

Sie erhalten, „für ihre Dienste einen Teil der Luxusausgabe der Kapitalisten ... (diese Arbeiter selbst sind insgesamt Luxusartikel) ...“ K. Marx, Kapital II, MEW 24, 409.

3.3. Lohnabhängige Staatsdiener

Zur unproduktiven, aber lohnabhängigen Bedientenklasse zählte Marx auch alle Staatsdiener – ausgenommen die produktiven Arbeiter im Staatsdienst bei der Bahn, der Post usw. Karl Marx rechnete „Regierung, Pfaffen, Juristen, Militär usw.“ ausdrücklich aus der Lohnarbeiterklasse heraus. K. Marx, Kapital I, MEW 23, 469.

Die höheren Stellen des Staates sind in der Regel Kapitalisten-kindern und der Kapitalistenklientel vorbehalten. So ergänzt die herrschende Klasse „in der Form von Staatsgehalten, was sie nicht in der Form von Profiten, Zinsen, Renten und Honoraren einstecken kann.“ K. Marx, 18. Brumaire, MEW 8, 151.

„... Auf Basis der kapitalistischen Produktion, wo der größte Teil der materiellen Waren ... unter Herrschaft des Kapitals von Lohnarbeitern produziert werden, (können) die unproduktiven Arbeiten (oder Dienste, sei es der Hure, sei es des Papstes) nur bezahlt werden können ... entweder aus dem Lohn der produktiven Arbeiter oder aus dem Profit der Kapitalisten (und deren Teilhaber am Profit) ... produzieren die produktiven Arbeiter die materielle Grundlage des Lebensunterhalts und der Existenz der unproduktiven Arbeiter ...K. Marx, Theorien über den Mehrwert I, MEW 26.1, 157.

Siehe den Artikel: Steuern

3.3. Selbständige, deren Dienste privat konsumiert werden.

Neben die lohnabhängige Dienerklasse treten selbständige, aber unproduktive Dienstleister, die statistisch bei den selbst arbeitenden Eigentümern erfasst werden.

„Die ganze Klasse der so genannten Dienste vom Schuhputzer bis zum König, fällt in diese Kategorie.“ K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 369f.

Im Gegensatz zu unseren heutigen lohnabhängigen Staatsoberhäuptern waren Könige durch Staatsdomänen, Staatsregale etc. ökonomisch mehr oder minder selbständig. Die „große Masse der sog. ‚höheren‘ Arbeiter – wie der Staatsbeamten, Militärs, Künstler, Ärzte, Pfaffen, Richter, Juristen usw. – sind ... zum Teil nicht nur nicht produktiv ..., sondern wesentlich destruktiv, aber ... wissen einen sehr großen Teil des ‚materiellen’ Reichtums teils durch Verkauf ihrer ‚immateriellen‘ Waren, teils durch gewaltsame Aufdrängung derselben sich anzueignen ...“ K. Marx, Theorien über produktive und unproduktive Arbeit, MEW 26.1., 145.

Mit wachsendem kapitalistischem Reichtum kann dieser Teil der Dienstleistungsklasse ebenfalls wachsen, indem „sich um das Kapital eine Masse Parasitenkörper anlegen, die unter einem oder dem anderen Titel so viel von der Gesamtproduktion an sich ziehen ...“ K. Marx, Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie, 643.

Siehe den Artikel: Selbständige

Zur Zitierweise:

Wo es dem Verständnis dient, wurden veraltete Fremdwörter, alte Maßeinheiten und teilweise auch Zahlenbeispiele zum Beispiel in Arbeitszeitberechnungen modernisiert und der Euro als Währungseinheit verwendet. Dass es Karl Marx in Beispielrechnungen weder auf absolute Größen noch auf Währungseinheiten ankam, darauf hatte er selbst hingewiesen: Die Zahlen mögen Millionen Mark, Franken oder Pfund Sterling bedeuten.“ Kapital II, MEW 24, 396.

Alle modernisierten Begriffe und Zahlen sowie erklärende Textteile, die nicht wörtlich von Karl Marx stammen, stehen in kursiver Schrift. Auslassungen im laufenden Text sind durch drei Auslassungspunkte kenntlich gemacht. Hervorhebungen von Karl Marx sind normal fett gedruckt. Die Rechtschreibung folgt der Dudenausgabe 2000. Quellenangaben verweisen auf die Marx-Engels-Werke, (MEW), Berlin 1956ff.

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